Sonntag, 17. Dezember 2017

Das große Rätsel von “Magnum”: Ist Jonathan Quayle Higgins III. in Wirklichkeit Robin Masters?

Nach Jahrzehnten ist die Identität einer bestimmten Person aus der Kultserie der Achtiger Jahre noch immer nicht gelüftet. Wer ist Robin Masters?

Man glaubt seine Stimme zu kennen: im amerikanischen Original ist es die von Leinwandlegende Orson Welles, in der überaus geglückten Synchron-Neufassung von RTL spricht ihn der große Mario Adorf, in der Erstfassung war es Friedrich Schütter (der auch Lorne Greene als Ben Cartwright in "Bonanza" synchronisierte) Man sieht ihn lediglich von hinten oder nur seine Hände, mal läuft er rasch durchs Bild und niemand kann ihn sehen, niemals tritt er offen in Erscheinung, was seinem Charakter eine mysteriöse Aura verleiht.

Die Spekulation, ob es sich bei dem erfolgreichen Autor von Trivialromanen in Wirklichkeit um seinen vermeintlichen Majordomus Jonathan Quayle Higgins III. (möge der leider am 09.11.2017 von uns gegangene John Hillerman in Frieden ruhen) um ein und die selbe Person handelt, wurden von Thomas Sullivan Magnum IV. höchstpersönlich in Umlauf gebracht.

Eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht - ein gelöstes Rätsel wäre auch zu banal. Vermutungen sind allerdings zulässig, und daher die folgenden Anmerkungen.

Was dagegen spricht: die frühen Folgen der Serie.

In " Robin Masters in Gefahr" wird Higgins sehr von der arroganten Sicherheitsexpertin “Digger” Doyle gedemütigt, weil er sich nicht genügend um die Sicherheit des Anwesens gekümmert habe, und es wird ihm von Robin Masters per Telefonat befohlen, dass er seine zukünftigen Anweisungen nunmehr von ihr zu empfangen habe.

In “Notlüge mit Folgen” hat Higgins gegenüber seinen einstigen Kameraden von der Militärakademie Sandhurst “Robins Nest” als seinen eigenen Besitz ausgegeben, was er in einer couragierten Rede später richtigstellt.

In “Die Wette gilt” wettet Robin Masters mit dem windigen Verleger Buzz Benoit um den Gewinn eines Softball-Spiels, ob dieser ein Jahr lang “Robins Nest” als Residenz erhält. Der ebenso unkultivierte wie ignorante Mensch bedroht maßgeblich Higgins’ Stellung als Verwalter, so dass der Sergeant Major mit erheblichem Zorn auf diese Abmachung reagiert.

In mehreren anderen, frühen Folgen muss sich Higgins mit ihm teilweise äußerst unangenehmen, zeitweiligen Bewohnern von “Robins Nest” herumplagen, da sie von Robin Masters eingeladen wurden oder sich aus anderen Gründen mit seinem Einverständnis dort einquartiert haben.

Wäre Jonathan Quayle Higgins III. identisch mit Robin Masters, hätte er dergleichen Peinlichkeiten von vornherein von sich fern gehalten statt beispielsweise mit einem Gast wie in “Die perfekte Tarnung” ein schweißtreibendes Fitnessprogramm absolvieren zu müssen.

Was dafür spricht: die späten Folgen der Serie.

Geht man von Thomas Magnums Theorie in "Die Streithähne" aus, wäre es wie folgt: der Aristokrat Jonathan Quayle Higgins III. (immerhin der Baron of Perth und ein Nachfahre von Richard Löwenherz) geniert sich, dass sich lediglich seine Trivialromane gut bei den Lesern verkaufen und möchte nicht mit mit diesem Teil seines Lebens konfrontiert werden, um sich statt dessen lieber dem Verfassen seiner literarisch weitaus anspruchsvolleren Memoiren widmen zu können.

Also hat er einen Schauspieler engagiert mit "einer "Figur wie Truman Capote und einer Stimme wie Orson Welles" (wie es im amerikanischen Original von “Die Streithähne” in schöner Ironie heißt), der diese Rolle für ihn übernimmt.

In der Tat weiß Higgins fast immer, wann Robin Masters anrufen wird, was er beabsichtigt, und er übernimmt sämtliche Transaktionen für ihn: Korrekturfahnen der neuesten Romane, Schecks und Verträge.

In "Melody ist verschwunden" lässt Higgins trotz bürokratischer Schwierigkeiten kurzerhand 300.000 Dollar vom Schweizer Nummernkonto von Robin Masters transferieren, um damit das Lösegeld für T.C.s entführte Tochter zu begleichen.

In "Der verschwundene Bestseller” stellt Higgins eigenmächtig einen Scheck in nicht unbeträchtlicher Höhe aus und erhöht das Salär für die Angestellten von “Robins Nest”, ohne dass der Zuschauer mitbekommt, ob er jemals bei Robin Masters dessen Zustimmung dafür eingeholt hat. Zudem erwähnt er genaue Details aus dessen neuestem Roman, die niemand anderer kenenn kann als der Verfasser selbst.

Higgins' Besorgnis um die edlen Kostbarkeiten in "Robins Nest" gehen weit darüber hinaus, was ein bloßer Verwalter dafür empfinden würde. Die Antiquitäten sind allesamt hoch versichert, also dürfte es Higgins eigentlich nicht eine solch fast physische Pein bereiten, wenn sich jemand ihnen ungebührlich nähert oder sie gar bedroht. Statt dessen reagiert er wie jemand, der um sein unersetzbares, persönliches Eigentum fürchtet.

Gleiches gilt für den berühmten roten Ferrari aus Robin Masters’ Fuhrpark, den Magnum in schöner Regelmäßigkeit zuschanden fährt (natürlich stets unbeabsichtigt) Ein Auto, selbst ein solches Luxusgefährt, lässt sich reparieren und auf den neuesten Stand bringen. Warum empört sich Higgins dennoch ständig lautstark darüber, was Magnum einem Wagen antut, der dem Majordomus nicht einmal gehört?

Lassen wir abschließend Jonathan Quayle Higgins III. selbst zu Wort kommen, der das Rätsel allerdings nicht löst, sondern es in der Schwebe lässt. In der letzten Folge der Serie beantwortet er Magnums eindringliche Frage, ob er Robin Masters sei, mit einen schlichten “Ja!”, um es in der letzten Szene wieder zu dementieren, weil er angeblich gelogen habe.

Das Rätsel bleibt ungelöst ...


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